Wertorientiert und plural

Die historischen Wurzeln Freier Wohlfahrtspflege reichen bis in die Privatwohltätigkeit und Armenfürsorge des Mittelalters zurück. Wohl nicht von ungefähr sind die Wohlfahrtsverbände vor 70 bis 150 Jahren aus sozialem Engagement entstanden. Mit der industriellen Revolution ballten sich die sozialen Probleme in den Städten. Die Notwendigkeit eines Ausgleichs wurde offenkundig. Die Gründerinnen und Gründer hatten erkannt, dass soziales Tun neben aufopfernder ehrenamtlicher Arbeit auch eine professionelle Basis benötigt und nur eine aufeinander abgestimmte und professionell fundierte soziale Arbeit die massenhafte Not wirksam bekämpfen konnte.

Aus vielfältigen religiösen und weltanschaulichen Motiven stellten sich die Verbände der gesellschaftlichen Herausforderung. Für diesen Reichtum der Wertorientierungen tritt die Freie Wohlfahrtspflege bis heute ein.

So kann der Bürger nur zu einem Sozialamt gehen, aber zwischen den Diensten verschiedener Wohlfahrtsverbände wählen.Die Wohlfahrtsverbände gründen auf Traditionen des Christentums, des Humanismus, des Judentums oder der sozialdemokratischen Arbeiterbewegung. Ehren- und hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter können sich ihren Grundhaltungen entsprechend im Verband ihres Vertrauens engagieren. Für die hilfebedürftigen Menschen ermöglicht die unterschiedliche Wertorientierung der Verbände, aus verschiedenen Angeboten und Arbeitsformen zu wählen und sich mit den jeweiligen Idealen zu identifizieren. Diesem, auch gesetzlich verankerten Wunsch- und Wahlrecht der Bürger fühlt sich die Freie Wohlfahrtspflege NRW nachhaltig verpflichtet.

Aus dieser Vielfalt erwächst zugleich ein Wettbewerb der Ideen und sozialen Ansätze, der die Fortentwicklung sozialer Arbeit immer wieder befruchtet.

Dank der Eigenständigkeit der einzelnen Wohlfahrtsverbände können sie sich in ihrer Arbeitsgemeinschaft glaubhaft für Pluralität und die Entwicklung gesellschaftlicher Werte einsetzen. Bei aller Vielfalt eint die Verbände das Ziel sozialer Gerechtigkeit. Sie halten eine kritische Distanz zum Staat. Gemeinsam kämpfen sie daher gegen die wachsende Kluft zwischen Armut und Reichtum, die unsere Gesellschaft spaltet und den sozialen Frieden bedroht. Vor allem für junge Menschen wollen sie Solidarität erfahrbar und Bedeutung gegenseitiger Verantwortung nachvollziehbar machen.