Bewusst zwischen Markt und Staat

Die als gemeinnützig anerkannte Freie Wohlfahrtspflege NRW behauptet selbstbewusst ihre Rolle zwischen Markt und Staat. Schnelle und unbürokratische Hilfe, professionell geleistet und mit bürgerschaftlichem Engagement unterstützt: Das sind die Stärken der Wohlfahrtsverbände.

Verschiedene politische Gruppierungen wollen zunehmend Aufgabenfelder der Freien Wohlfahrtsverbände dem freien Markt öffnen. Sie hoffen darauf, dass dadurch Leistungen automatisch kostengünstiger und bedarfsgerechter erbracht werden. Vor allem die Pflegeversicherung hat hier eine Vorreiterrolle gespielt.

Gewerbliche Pflegedienste und die der Freien Wohlfahrtspflege konkurrieren miteinander, ihre Preise und Leistungen sind jedoch streng reglementiert. Das birgt zum Beispiel die Gefahr, dass gewerbliche Pflegedienste wegen der kürzeren Fahrwege vornehmlich "Kunden" in den Ballungsräumen gewinnen (hier kann häufig ein wirtschaftlich preiswerteres Angebot vorgehalten werden), die Freien Wohlfahrtsverbände dagegen ihrem Selbstverständnis nach jeden Pflegebedürftigen aufnehmen, auch wenn längere Wegstrecken von den Kranken- und Pflegekassen nicht vergütet werden. Die Wohlfahrtsverbände geraten dadurch erheblich unter Kostendruck und werden in Einzelfällen vom "Markt" verdrängt.

Grundsätzlich nimmt die Freie Wohlfahrtspflege NRW die Herausforderung des Marktes an und begreift sie als Chance, um ihre Dienste auch betriebswirtschaftlich weiterzuentwickeln. Sie wird aber gleichzeitig immer als Anwalt für Benachteiligte eintreten und sie in der Wahrnehmung ihrer Rechte unterstützen und fördern. Das ist besonders wichtig mit Blick auf die zu erwartenden gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Veränderungen, die sich nicht zuletzt durch das Zusammenwachsen in der Europäischen Gemeinschaft ergeben.

Die Freie Wohlfahrtspflege NRW unterstützt die europäische Integration. Sie setzt sich dafür ein, dass Europa nicht allein als Wirtschaftsraum, sondern vor allem als sozialer Lebensraum verstanden wird. Das geschieht in enger Abstimmung mit den Nachbarländern Niederlande und Belgien. Wo notwendig und sinnvoll, werden soziale Arbeitsfelder grenzüberschreitend organisiert.