Plattformpartner fordern langfristige Förderstrukturen für Ehrenamt

03.04.2017

Die Plattformpartner zur Stärkung des bürgerschaftlichen Engagements in Nordrhein-Westfalen diskutierten unter dem Motto „Refugees welcome – Ehrenamt am Limit?“ mit Christina Kampmann, Ministerin für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport Rahmenbedingungen zur Förderung bürgerschaftlichen Engagements. Zentrale Forderung der Plattform: Langfristige Förderungsstrukturen für Ehrenamt statt projektbezogener Arbeit.

„Ehrenamt muss durch hauptamtliche Strukturen unterstützt werden. Dazu brauchen wir langfristige Förderungsstrukturen für ehrenamtliches Engagement.“, erklärte Andreas Johnsen, Vorsitzender der Landesarbeitsgemeinschaft der freien Wohlfahrtspflege NRW. Gerade für ehrenamtliche Helfer in Flüchtlingseinrichtungen sei die Begleitung, Unterstützung und Aufarbeitung durch hauptamtliche Mitarbeiter ein wichtiges Thema. Mehr als 30 Millionen Menschen üben in Deutschland ein Ehrenamt aus – in NRW sind es allein 5 Millionen. Die 14 Partner der Plattform zur Stärkung des bürgerschaftlichen Engagements in NRW klärten, was bürgerschaftliches Engagement für die Gesellschaft leistet – und leisten könnte.

Ministerin Kampmann betonte: „Nach der Flüchtlingshilfe muss jetzt die Integration gelingen. Daher haben wir 33 Millionen Euro in Kitas investiert.“ Sport und Kulturprojekte seien ebenfalls wichtige Maßnahmen - ohne das ehrenamtliche Engagement sei die Integration nicht machbar. „Wir wollen auch junges Ehrenamt unterstützen und mehr Freiräume für autonome Zeit schaffen“, so Kampmann.

Hintergrundinformation:
Wie groß das Potenzial des freiwilligen Engagements bundesweit und auch speziell in NRW tatsächlich ist, wurde durch die Hilfsbereitschaft für schutzsuchende Menschen, die im Spätsommer und Herbst 2015 nach Deutschland geflüchtet sind, deutlich. Bis heute erleben wir, wie groß und zugleich durch politische Entwicklungen herausgefordert die Solidarität vieler Bürgerinnen und Bürger mit geflüchteten Menschen weiterhin ist. Als langjährig erfahrene Träger von ehrenamtlichem und bürgerschaftlichem Engagement haben die Partner der Plattform schon früh darauf hingewiesen, dass ehrenamtlich Engagierte dringend unterstützende Strukturen brauchen, um gut und angemessen helfen zu können. Dies betrifft selbstverständlich alle Bereiche zivilgesellschaftlichen Engagements, die Erfahrungen in der Flüchtlingshilfe haben in dieser Richtung massiv bestärkt.

Jeder dritte Mensch in Nordrhein-Westfalen ab 14 Jahren engagiert sich ehrenamtlich. Bürgerinnen und Bürger bringen sich in Vereinen, Verbänden, Initiativen, Kirchengemeinden, Projekten, Selbsthilfegruppen oder sozialen Einrichtungen aktiv ein und übernehmen dort wichtige Aufgaben und Ämter. Um die Bedeutung des bürgerschaftlichen Engagements in gemeinwohlorientierten Organisationen, christlichen Kirchen und weiteren anerkannten Religionsgemeinschaften in allen Facetten zu stärken, bedarf es der Vernetzung, des Austausches und der Anwaltschaft für die Belange und Interessen der Engagierten. Diese Aufgabe übernimmt die Plattform.

Jürgen Becker (Moderation), Ayadurai Ragunathan (ehemaliger Flüchtling), Christina Kampmann (Familienministerin), Walter Schneeloch (Präsident Landessportbund NRW) und Andreas Johnsen (Vorsitzender der Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege NRW) (v.l.n.r.) diskutierten zentrale Fragestellungen des Ehrenamts. Foto: A. Bowinkelmann