Projektbeschreibung

Eine gemeinsame Initiative

  • der Stiftung Wohlfahrtspflege NRW 
  • der kommunalen Spitzenverbände des Landes
  • der Landesseniorenvertretung NRW
  • der Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege in NRW und
  • des Ministeriums für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter NRW (ehemals MGFFI)

(im Folgenden Partner genannt)

Präambel

In Erwägung, dass

  • die Gesellschaft des langen Lebens eine große kulturelle Errungenschaft für alle Generationen der modernen Zivilisation ist,
  • die Gestaltung des demografischen Alterungsprozesses als gesellschaftliche Querschnittsaufgabe eine zentrale Zukunftsherausforderung für das Gemeinwesen ist,
  • Partizipation und Emanzipation grundlegende Leitvorstellungen für eine gemeinwesenorientierte Seniorenarbeit sind,
  • die Kommunen und ihre Akteure zum Motor einer innovativen Entwicklung einer Gesellschaft, in der immer mehr ältere Menschen leben werden können,
  • die Unterschiedlichkeit des Alters und der Altersbilder vielfältiger Programme bedarf,
  • die Gestaltungsräume für das Engagement älterer Menschen fortzuentwickeln sind,
  • die Übernahme von Verantwortungsrollen in Selbstbestimmung eine wesentliche Voraussetzung für ein zufriedenes Altern ist,
  • Lernen und Bildung für ein langes Leben zunehmend zu einem individuellen Bedürfnis und zu einer öffentlichen Angelegenheit werden,
  • die Aktivierung des Alters auch sozial- und bildungsbenachteiligte ältere Menschen berücksichtigt,
  • eine zukunftsfähige und nachhaltige gemeinwesenorientierte Seniorenarbeit präventive Sozial- und Gesundheitspolitik ist, … die Nachhaltigkeit zur Fortentwicklung der Gemeinwesenorientierten Seniorenarbeit mit Hilfe von Qualitätszielen zu sichern ist,

verpflichten sich die Partner gemäß der folgenden Konzeption zur Unterstützung der "Qualitätsinitiative in der Gemeinwesenorientierten Seniorenarbeit" in Nordrhein-Westfalen.

Die Initiative

Die Partner identifizieren sich mit den von der Öffentlichen und Freien Wohlfahrtspflege im Rahmen des Deutschen Vereins im Jahr 2007 entwickelten programmatischen Aussagen, in denen es heißt: „Engagement braucht förderliche Rahmenbedingungen. Informations- und Beratungsangebote (Seniorenbüros, Freiwilligenagenturen), Qualifizierung und Begleitung, Versicherungsschutz, aber auch Wertschätzung und Anerkennung gehören dazu. Kommunen können zum Motor einer innovativen Entwicklung werden, wenn die Potenziale ihrer älteren Bürger und Bürgerinnen erkannt werden und die Förderung von Engagement als kommunalpolitische Querschnittsaufgabe aktiv angenommen wird. Die unterschiedlichen Lebenslagen, Potenziale und Bedürfnisse der älteren Menschen sind dabei zu berücksichtigen“.

Alle beteiligten Partner verfolgen als Grundlage der mit Fördermitteln durchgeführten Projekte der Qualitätsinitiative folgende Leitlinien:

  • Sie bekennen sich zu ihrer Verantwortung, für die Verwirklichung der Zielvorstellungen der Präambel engagiert einzutreten und zu werben sowie einen nachhaltigen Ressourceneinsatz zu verfolgen.
  • Sie befürworten den kooperativen Ansatz, vor Ort ein Dreierteam von verbindlichen Ansprechpartnern aus Kommune, den Verbänden der Freien Wohlfahrtspflege und der Seniorenvertretung oder einer vergleichbaren aktiven Initiative älterer Menschen einzurichten.
  • Sie setzen auf eine vertrauensvolle Zusammenarbeit der Partner der Initiative und vor Ort, die dialogorientiert und gleichberechtigt ist.
  • Sie unterstützen nach besten Kräften die wissenschaftliche Evaluation bei Befragungen, Datenbereitstellungen, Dokumentation etc.
  • Sie befürworten einen regionenübergreifenden Erfahrungsaustausch.

Ziele der Initiative

Das grundsätzliche Ziel der gemeinsamen Initiative ist die Qualitätsentwicklung in der gemeinwesenorientierten Seniorenarbeit. Erwartet werden neue Impulse für die Weiterentwicklung der Seniorenarbeit und die Qualifizierung der Mitarbeiter. Die im Vorfeld der Initiative entwickelten Qualitätsziele (siehe Schaubild) sind Instrumente zur Reflexion der eigenen Arbeit vor Ort und dienen der Orientierungshilfe bei der Fortentwicklung der Seniorenarbeit. Sie verfolgen letztlich das Ziel, die Handlungskompetenz zu stärken und die Lebensqualität älterer Menschen zu verbessern.

Um die Ziele zu erreichen, sind folgende konkreten Maßnahmen erforderlich:

  • Verbesserung der Angebote der Seniorenarbeit in Bezug auf Zugang, Durchführung und Transfer, insbesondere für bisher vernachlässigte Zielgruppen im Sinne von Emanzipation zur eigenen Lebensgestaltung,
  • Umsetzung von Partizipation als Gestaltungsprinzip,
  • Verbesserung der Transparenz der verschiedenen Angebote für ältere Menschen vor Ort.

Weiterentwicklungsbedarf in der Seniorenarbeit

Die sich verändernden Bedürfnisse und Kompetenzen der älteren Menschen haben unmittelbare Auswirkungen auf die Ausgestaltung der Seniorenarbeit vor Ort: Sie muss sich noch stärker als bisher wandeln hin zur Unterstützung eines aktiven selbst- und mitverantwortlichen Lebens im Alter, Emanzipation und Partizipation älterer Menschen am gesellschaftspolitischen Leben. Grundlage hierzu ist eine stärkere Beachtung der unterschiedlichen Lebenslagen und Ressourcen älterer Menschen.

Künftig wächst die Bereitschaft der Älteren neue Verantwortungsrollen zu übernehmen, zu lernen, sich weiterzubilden und das öffentliche Leben im Gemeinwesen mitzugestalten. Dazu sind die "Ermöglichungsbedingungen" in der gemeinwesenorientierten Seniorenarbeit weiter zu verbessern. Dieser Prozess bedarf einer externen Unterstützung in Form einer Qualitätsentwicklung.

Die Weiterentwicklung der gemeinwesenorientierten Seniorenarbeit wird besonders auch von den Hauptamtlichen getragen. Es entstehen neue Profile in der sozialen Arbeit, die durch Transfer und Weiterbildungsangebote unterstützt werden, um so die Arbeitsbedingungen in der professionellen sozialen Arbeit zu verbessern und den Herausforderungen anzupassen.

Entwicklungsbereiche der Projekte

Themenfelder, die vorrangig in die Initiative einbezogen werden sollen, sind:

  • Partizipation und Emanzipation (der unterschiedlichen Zielgruppen)
  • Bürgerschaftliches Engagement und soziale Netzwerke
  • Altersarmut
  • Arbeit mit bildungs- und sozial benachteiligten älteren Menschen wie zum Beispiel mit Zuwanderungshintergrund
  • Haushaltsnahe Dienstleistungen
  • Beratung
  • Begegnung und Kommunikation
  • Quartiersentwicklung und Wohnen
  • Generationsübergreifende Projekte
  • Leitbildentwicklungen
  • Altersbildung und -kultur.

Die Partner der Initiative

Die Partner treffen sich regelmäßig zu einem Informationsaustausch und konkreten Vereinbarungen im Rahmen eines Koordinationsgremiums, in dem die Rollen und Zuständigkeiten der einzelnen Partner wie folgt verteilt sind:


Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Alter und Pflege (MGEPA)

Das MGEPA (ehemals MGFFI) hat in seiner Seniorenpolitik einen Schwerpunkt auf den Modernisierungsprozess der kommunalen Seniorenarbeit und -bildung durch die Qualifizierungsoffensive (seit 2006) gelegt, die folgende Ziele verfolgt:

  • Erreichung einer breiteren Anzahl von Kommunen mit innovativen Weiterbildungsangeboten
  • Vorbereitung der hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie der Ehrenamtlichen auf neue Aufgaben und Wege in der Seniorenarbeit
  • Begleitung von Veränderungen in den Institutionen und Kommunen

Rolle des MGEPA im Rahmen der Initiative:

  • Organisation der Treffen der Partner der Initiative
  • Beteiligung an der Finanzierung der Qualifizierungsangebote für Haupt- und Ehrenamtliche in der Seniorenarbeit
  • Sicherstellung der Evaluation und der Prozessbegleitung im Rahmen der Einzelprojekte der Initiative
  • Transfer der Ergebnisse in Abstimmung mit den Partnern der Initiative.

Stiftung Wohlfahrtspflege NRW

Alte Menschen sind Zielgruppe der Stiftungsförderung. Ihre Lebensqualität zu erhalten und zu verbessern, ist Ziel der Stiftung. Gemeinwesenorientierte Seniorenarbeit wird als Entwicklungsmodell verstanden, dessen Gelingen von der Mitwirkung vieler Beteiligter, Akteure und Unterstützer beeinflusst wird. Mit diesem Entwicklungsmodell verbindet die Stiftung, insbesondere der Altersgruppe der 60- bis 80-Jährigen Rahmenbedingungen zu bieten bzw. mit ihnen zu entwickeln, die zur Selbstfindung, zur Selbstdefinition und zur Entwicklung von Kompetenzen zum Handeln in eigener Sache förderlich sind. Die Förderung von Einzelprojekten wird inhaltlich und finanziell in den Kontext des Gemeinwesens gestellt. Sie bedarf der Abstimmung und Vereinbarung auf örtlicher und regionaler Ebene.

Rolle der Stiftung im Rahmen der Initiative:
Die Stiftung wird die Initiative kontinuierlich über die Förderentwicklung sowie über die Ergebnisse herausragender Projekte informieren. An der Diskussion zur Entwicklung und Weiterentwicklung der gemeinwesenorientierten Seniorenarbeit wird sich die Stiftung aktiv beteiligen.

Kommunale Spitzenverbände Nordrhein-Westfalen

Aufgrund ihrer Verantwortung für die Daseinsvorsorge ihrer Bürgerinnen und Bürger haben die Kommunen eine besondere Verantwortung bei der Gestaltung der Seniorenarbeit. Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels sowie der differenzierten Interessen und Möglichkeiten der älteren Bevölkerung haben die Kommunen begonnen, neue Prozesse und Strukturen in die Wege zu leiten. Die Fortentwicklung der Seniorenarbeit hat erhebliche präventive Wirkungen: Denn Maßnahmen, welche die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit im Alter fördern, haben großen positiven Einfluss auf Gesundheitsverhalten, Lebenserwartung und Lebensqualität.

Rolle der kommunalen Spitzenverbände im Rahmen der Initiative:
Die kommunalen Spitzenverbände NRW verstehen sich als Multiplikatoren, die Informationen an ihre Mitglieder weiterleiten und damit die gemeinsame Initiative unterstützen.
Sie nehmen alle Möglichkeiten wahr, über ihre Vernetzung mit Drittorganisationen auch indirekt zur Umsetzung der gemeinsamen Zielvorstellungen beizutragen.

Landesseniorenvertretung Nordrhein-Westfalen

In Nordrhein-Westfalen gibt es ca. 140 Seniorenvertretungen, die Planungs- und Entwicklungsprozesse in den Kommunen mitgestalten. In den Seniorenvertretungen und anderen Seniorengruppen finden in hohem Maße bürgerschaftliches Engagement und Selbstorganisation statt. Die Wahrnehmung der Interessen und Belange älterer Menschen auf der kommunalen Ebene muss gestärkt werden. Zudem braucht die konkrete Gestaltung des Gemeinwesens, in den Quartieren sowie in den Angeboten, eine weitere Stärkung. Dazu sind die Unterstützung der Seniorenvertretungen und selbstorganisierter Senioreninitiativen und deren weiterer Ausbau wünschenswert.

Rolle der Landesseniorenvertretung im Rahmen der Initiative:

  • Qualifizierungsangebote für kommunale Seniorenvertretungen
  • Weiterverbreitung der Themen „Altersbildung“ und „Qualitätsentwicklung in der offenen Altenarbeit“ über die Seniorenvertretungen auf die kommunale Ebene
  • Anwendung der Inhalte qualitätvoller Altersbildung in den Qualifizierungsangeboten der Landesseniorenvertretung
  • Werbung bei Trägern der Weiterbildung und von Veranstaltungen für die Berücksichtigung und Anwendung der Qualitätsziele bei deren Angeboten.

Freie Wohlfahrtspflege NRW

Der Paradigmenwechsel in Bezug auf das Alter hat für die Freien Wohlfahrtpflege in dem Aktionsfeld der gemeinwesenorientierten Seniorenarbeit weitreichende Auswirkungen. Die Verbände der Freien Wohlfahrtspflege zählen zu den wichtigsten sozialen Akteuren, die sich einer erneuerten Seniorenpolitik zuwenden und gehören zu den Hauptanbietern von Veranstaltungen und Angeboten für ältere Menschen. Dabei ist Qualitätsentwicklung in der Seniorenarbeit ein wichtiges Thema (Deutscher Evangelischer Verband für Altenarbeit und Pflege e. V. u. a. 2005; Deutscher Caritasverband 2004; Arbeiterwohlfahrt Bundesverband e.V. 2000).

Rolle der Freien Wohlfahrtspflege im Rahmen der Initiative:
Aufgrund ihres langjährigen Engagements mit älteren Menschen im Gemeinwesen versteht sich die Freie Wohlfahrtspflege als erfahrener Partner in der Weiterentwicklung dieser Arbeit. Die Freie Wohlfahrtspflege sieht die Qualitätsinitiative im demografischen Wandel als Chance, insbesondere gemeinsam mit den Kommunen zeitgerechte Angebote vor Ort zu entwickeln und umzusetzen. Die Freie Wohlfahrtspflege kann dabei die in den unterschiedlichen Verbandsbereichen entwickelten Qualitätsprozesse und Profile einbringen und sich in der modellhaften Umsetzung von Qualitätszielen (FoGera) engagieren. Weitere fachliche wichtige Punkte, an deren Umsetzung sich die Freie Wohlfahrtspflege kompetent beteiligen kann, sind:

  • Entwicklung eines Curriculums für die Qualifizierung anhand der Qualitätsziele bzw. der vorliegenden Qualitätshandbücher der Verbände
  • Übergeordnete Qualifizierung von haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter/-innen im Bereich Qualitätsentwicklung
  • Entwicklung eines Change-Managements (Organisationsentwicklung) in den Modelleinrichtungen der gemeinwesenorientierten Einrichtungen und deren Praxisbezug und Beratung
  • Mitarbeit in einer Steuerungsgruppe der Projektarbeit in den Modelleinrichtungen
  • Sicherstellung des Ergebnistransfers
  • Flankierende Begleitung der Modellprojekte durch Fachberatung und Arbeitsgruppen
  • Informationstransfer und Meinungsbildung in die bzw. den eigenen Verbandsgruppen und Strukturen